Nitrat im Trinkwasser: Grenzwert, Risiko und welcher Filter hilft
Nitrat ist der Stoff, der das Grundwasser in Deutschland am häufigsten belastet. Für Trinkwasser gilt ein Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter, den die Wasserversorger einhalten müssen. Die Kurzantwort: Aus dem Hahn kommt Nitrat fast immer unterhalb des Grenzwerts – wer den Wert trotzdem senken will, etwa für Säuglingsnahrung oder bei einem eigenen Brunnen, braucht eine Umkehrosmose-Anlage. Ein Aktivkohlefilter allein hilft bei Nitrat nicht verlässlich.
Kurz gesagt
- Der Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser liegt nach Trinkwasserverordnung (TrinkwV) bei 50 mg/l, für Nitrit bei 0,5 mg/l. Die WHO empfiehlt denselben Nitratwert.
- Nitrat stammt überwiegend aus der Landwirtschaft (Mineraldünger, Gülle) und belastet vor allem das Grundwasser. Versorger halten den Grenzwert durch Mischen und Aufbereitung ein; private Hausbrunnen sind häufiger betroffen.
- Aktivkohleblockfilter halten Nitrat nicht zuverlässig zurück. Eine Umkehrosmose-Anlage reduziert Nitrat in der Regel um etwa 90 Prozent.
Was ist Nitrat und wie kommt es ins Trinkwasser?
Nitrat (NO₃⁻) ist ein Stickstoffsalz. Es kommt natürlich im Boden vor und ist ein wichtiger Pflanzennährstoff. Problematisch wird es, wenn mehr Stickstoff auf die Felder kommt, als die Pflanzen aufnehmen. Der Überschuss aus Mineraldünger und Gülle wird vom Regen ausgewaschen und sickert ins Grundwasser, wo er sich kaum abbaut. Regionen mit intensiver Tierhaltung sind deshalb stärker betroffen.
Wie groß das Problem ist, dokumentiert der Nitratbericht 2024 der Bundesregierung: Im Berichtszeitraum 2020 bis 2022 lag an 25,6 Prozent der Grundwasser-Messstellen des EU-Nitratmessnetzes der Wert über 50 mg/l (2016 bis 2018: 26,7 Prozent). Grundwasser ist aber nicht gleich Trinkwasser. Die Wasserwerke mischen belastete Brunnen mit unbelasteten, nutzen tiefere Grundwasserleiter oder bereiten das Wasser auf. Das abgegebene Trinkwasser muss den Grenzwert einhalten und wird darauf regelmäßig kontrolliert.
Anders sieht es bei privaten Hausbrunnen aus. Dort bist du selbst für die Qualität verantwortlich, und gerade in ländlichen Gebieten liegen die Nitratwerte häufig höher als im öffentlichen Netz.
Wie hoch ist der Grenzwert und was bedeutet er?
Die TrinkwV legt in Anlage 2 für Nitrat 50 mg/l und für Nitrit 0,5 mg/l fest. Zusätzlich gilt eine Summenregel: Der Nitratwert geteilt durch 50 plus der Nitritwert geteilt durch 3 darf nicht größer als 1 sein. Die Weltgesundheitsorganisation nennt in ihren Trinkwasser-Leitlinien ebenfalls 50 mg/l für Nitrat.
Der Grenzwert ist ein Vorsorgewert. Er wurde so abgeleitet, dass auch die empfindlichste Gruppe geschützt ist – Säuglinge in den ersten Lebensmonaten. Leitungswasser unterhalb von 50 mg/l gilt deshalb auch für die Zubereitung von Säuglingsnahrung als geeignet. Zum Vergleich: Grundwasser ohne menschlichen Einfluss enthält meist unter 10 mg/l.
Warum ist Nitrat vor allem für Säuglinge relevant?
Nitrat selbst ist wenig giftig. Im Körper kann es jedoch von Bakterien zu Nitrit umgewandelt werden. Nitrit bindet an den roten Blutfarbstoff und wandelt ihn in Methämoglobin um, das keinen Sauerstoff mehr transportiert. Bei Säuglingen bis etwa zum sechsten Lebensmonat arbeitet das Enzym, das Methämoglobin wieder zurückbildet, noch nicht vollständig. Außerdem ist ihr Magen weniger sauer, sodass mehr nitritbildende Bakterien überleben. Die Folge kann eine Methämoglobinämie sein, umgangssprachlich „Blausucht“. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sind solche Fälle in Deutschland praktisch nur aus privaten Hausbrunnen mit sehr hohen Nitratwerten bekannt.
Wie vorsichtig der Gesetzgeber hier ist, zeigt die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung: Ein Mineralwasser darf nur dann den Hinweis „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ tragen, wenn es höchstens 10 mg/l Nitrat enthält.
Hält ein Aktivkohlefilter Nitrat zurück?
Nicht zuverlässig. Aktivkohle wirkt durch Adsorption: Organische Moleküle wie Pestizide, Medikamentenrückstände oder Chlorverbindungen bleiben an ihrer inneren Oberfläche hängen. Nitrat ist dagegen ein kleines, sehr gut wasserlösliches Ion. Es verhält sich im Filter ähnlich wie die Mineralien Calcium und Magnesium – und die sollen bei einem Aktivkohlefilter gerade im Wasser bleiben.
Unsere FAQ beschreibt das so: Je nachdem, in welcher Form das Nitrat im Wasser vorliegt, kann die Reduktion stark schwanken, „von kaum messbarer Entfernung bis hin zu deutlich höheren Werten“. Das gilt für alle Aktivkohle-Technologien, auch für unsere Patronen Core+ und Core M. Wer sich auf eine Nitratsenkung verlassen will, sollte deshalb nicht mit Aktivkohle planen. Tisch-Kannenfilter entfernen Nitrat ebenfalls nicht.
Welcher Filter senkt Nitrat zuverlässig?
Eine Umkehrosmose-Anlage. Ihre Membran hat laut unseren Produktseiten eine Porengröße von 0,0001 Mikrometern und lässt fast nur Wassermoleküle passieren. Gelöste Salze – darunter Nitrat und Nitrit – werden mit dem Konzentrat in den Abfluss geleitet. Unsere FAQ nennt für hochwertige Haushaltsanlagen eine Reduktion von etwa 90 Prozent; vollständig entfernen Nitrat nur spezielle Industrieanlagen. Aus 40 mg/l werden damit grob 4 mg/l.
Wie finde ich den Nitratwert meines Wassers heraus?
- Dein Wasserversorger muss seine Analysewerte veröffentlichen, meist auf seiner Website.
- Schneller geht es mit unserem Trinkwasser-Check: Postleitzahl eingeben, und du siehst die Werte deines örtlichen Versorgers, darunter den Nitratwert, mit einer Einordnung und Filterempfehlung.
- Bei einem Hausbrunnen hilft nur eine Laboranalyse. Das zuständige Gesundheitsamt nennt dir akkreditierte Labore.
Ein Hinweis: Die Versorgerwerte beschreiben das Wasser am Wasserwerk. Bei Blei oder Kupfer aus der Hausinstallation ist das eine echte Lücke, bei Nitrat nicht – Nitrat kommt nicht aus Rohren oder Armaturen.
Welche Lösung von The Local Water passt?
Liegt dein Nitratwert deutlich unter dem Grenzwert und geht es dir um Geschmack, Chlor, Schwermetalle aus der Hausinstallation, Pestizide oder Medikamentenrückstände, reicht ein Aktivkohleblockfilter: der Auftischfilter One+ (210 €) oder der Untertischfilter Base (298 €), jeweils mit der Patrone Core+. Nitrat senken diese Anlagen nicht.
Willst du Nitrat gezielt reduzieren – etwa bei einem Hausbrunnen, für Säuglingsnahrung oder weil dein Versorger nahe am Grenzwert liegt – kommt eine unserer Umkehrosmose-Anlagen infrage. Alle vier halten laut Produktseite Nitrat und Nitrit zurück:
- TLW 2 (1.350 €): stromlos, bis zu 0,5 Liter pro Minute direkt aus der Membran, Betriebsdruck 3–6 bar.
- TLW 4 (1.675 €): stromlos, mit keimgeschütztem Wasserreservoir aus Edelstahl (4, 6 oder 8 Liter).
- TLW 5 Illumina (2.400 €): Umkehrosmose mit Glaskrug auf der Arbeitsplatte, immer 1,5 Liter vorrätig.
- TLW 7 (4.000 €): mit Pumpe, 2 Liter pro Minute, Mineralisierungs-Einheit mit Sango-Koralle – für große Haushalte.
Bedenke, dass Umkehrosmose auch Mineralien entfernt. Nur der TLW 7 führt dem Wasser laut Produktseite über seine Mineralisierungs-Einheit wieder Mineralien zu. Unsicher, ob sich Osmose bei deinem Wasser lohnt? Der Trinkwasser-Check gibt dir eine ehrliche Empfehlung – Kalk oder Härte allein sind kein Grund für Osmose.
Häufige Fragen
Entfernt Abkochen Nitrat aus dem Wasser?
Nein. Beim Kochen verdampft Wasser, Nitrat bleibt zurück. Die Konzentration steigt dadurch sogar leicht an. Abkochen hilft gegen Keime, nicht gegen gelöste Salze.
Ist Nitrat im deutschen Leitungswasser ein Problem?
Im öffentlichen Netz nur selten: Die Versorger müssen den Grenzwert einhalten und tun das praktisch flächendeckend. Das Problem liegt im Grundwasser, das regional stark belastet ist, und bei privaten Brunnen, die niemand regelmäßig kontrolliert.
Welcher Nitratwert ist für Säuglingsnahrung sinnvoll?
Leitungswasser unter 50 mg/l gilt nach TrinkwV als geeignet. Für Mineralwasser mit dem Hinweis „für Säuglingsnahrung geeignet“ verlangt die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung höchstens 10 mg/l. Wer sich an diesem strengeren Wert orientieren will und mehr als 10 mg/l im Leitungswasser hat, erreicht ihn zuverlässig nur mit Umkehrosmose.
Quellen
- Trinkwasserverordnung (TrinkwV) 2023, Anlage 2 (chemische Parameter): Nitrat 50 mg/l, Nitrit 0,5 mg/l, Summenregel – https://www.gesetze-im-internet.de/trinkwv_2023/
- WHO, Guidelines for Drinking-water Quality, 4. Auflage mit Addenda (2022): Nitrat 50 mg/l, Nitrit 3 mg/l
- Umweltbundesamt, Themenseite „Nitrat im Grund- und Trinkwasser“ – https://www.umweltbundesamt.de/
- Nitratbericht 2024 der Bundesregierung (BMUV/BMEL), Berichtszeitraum 2020–2022: 25,6 % der Messstellen des EU-Nitratmessnetzes über 50 mg/l (2016–2018: 26,7 %)
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Stellungnahmen zu Nitrat und Nitrit; Methämoglobinämie bei Säuglingen in Deutschland praktisch nur aus Hausbrunnen mit sehr hohen Werten bekannt
- Mineral- und Tafelwasser-Verordnung (MTVO), Anlage 6: Nitrat höchstens 10 mg/l für den Hinweis „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“
- The Local Water, FAQ „Filtern die Aktivkohleblockfilter auch Nitrat?“ und „Worin unterscheiden sich TLW-Filter von den sogenannten Tisch-Kannenfiltern?“ – https://thelocalwater.com/de/faq
- The Local Water, Produktseiten TLW 2, TLW 4, TLW 5 Illumina, TLW 7 (Filterleistung, Membran-Porengröße, Betriebsdruck, Mineralisierung TLW 7, Preise)




